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Danke an unser Mitglied Heiko Winkler für den ausführlichen Bericht ...
 

Auf den Spuren der Weltmeister

„San Martino di Castrozza“ – allein der Ortsname lässt einen schon mit der Zunge schnalzen. Und Insider wissen, dass hier 1977 die zweifachen Rallye-Weltmeister Walter Röhrl und Christian Geistdörfer zum ersten Mal gemeinsam im Cockpit saßen und damit die unvergleichliche Karriere des Duos in einem Fiat 131 Abarth begann. Rolf Huber hat für den Porsche Club Ingolstadt eine insgesamt viertägige Ausfahrt auf den Spuren der Rallye San Martino di Castrozza organisiert.

Zehn Porsches haben sich am Fronleichnamstag auf den Weg in die Dolomiten gemacht, wo im Hotel Savoia bereits eine große Überraschung wartete: Niemand anderes als Christian Geistdörfer selbst sollte die Tour das ganze Wochenende über begleiten, und gleich zu Beginn gab es bei einem Gläschen Prosecco schon die ersten Stories aus der Rallyeszene der 70er und 80er zu hören. Die erste Rundfahrt ging als „Nordrunde“ über die Bühne: Vom Hauspass Passo Rolle über den Passo Valles, Campolongo und Fedaia in Richtung Grödner und Sellajoch hatte Rolf Huber eine anspruchsvolle Tour über gut 250 km zusammengestellt und führte die Gruppe sicher und zügig durch unzählige Kurven. Der Ingolstädter Club-Präsident Dr. Albert Haugg war begeistert: „Das ist richtig sauberes und schneidiges Vorausfahren!“

Insgesamt brachten die Ingolstädter knapp 4000 PS an den Start. Die neun Fahrzeuge der Gruppe zeigten einen Querschnitt der Sechszylinder-Boxer der letzten 30 Jahre: Vom 991 Turbo S Cabrio über 991 Targa und Coupé, 997 GT3 RS, Carrera 4S und Turbo, 996 Turbo Cabrio, dem Mittelmotor-986 bis zu den luftgekühlten Vertretern 993 und 930 Turbo. Trotz der in ihrer Charakteristik so unterschiedlichen Fahrzeuge hatten alle Teilnehmer Spaß an der zügigen Gangart, wenn auch unzählige Radfahrer, Motorradler oder manchmal auch die nasse Straße zur Vorsicht mahnten. Nur die Oben-Ohne-Fraktion musste bereits nach der ersten Espresso-Pause die Dächer hochgefahren lassen, was sich erst auf der Rückfahrt am Sonntag wieder ändern sollte. Als besonderer Gast war der Präsident des Porsche Club Leipzig, Christian Hartinger samt Frau Ortrun dabei, die gleich zwei Fahrzeuge in die Dolomiten mitgebracht hatten. Dieser war begeistert: „Eine richtig harmonische Truppe!“. Begleitet wurde die Gruppe vom Hotelier Cristian Marin, der mit einem Cayenne die Rolle des Schließenden übernommen hatte.

Neben der sagenhaften Bergkulisse von Marmolada und Langkofel war aber auch die kulinarische Seite des Wochenendes ein reiner Genuss. Mit sorgfältig ausgewählten Stopps und raffiniert-bodenständigen Menüs wurden die Pausen und auch die Abende zum besonderen Erlebnis. Im Restaurant der Malga Cès wurde ebenso geschlemmt wie tags darauf in einem Agriturismo, wo fast ausschließlich Köstlichkeiten aus eigener Produktion auf den Tisch kamen – den hauseigenen Prosecco zum Aperitif eingeschlossen. Kleines Highlight am Rande war, dass der einheimische Porsche-Rallyepilot und Weggefährte Geistdörfers Giorgio Taufer die Teilnehmer auf die Malga Cès brachte und ebenfalls beim Dinner zu Gast war. Am Abschlussabend sorgte das Duo Mauro und Giacomo Da Ros dafür, dass die vom Sitzen eingerosteten Knochen wieder bewegt wurden und heizten der Gruppe mit Bass und E-Gitarre ordentlich ein.

In Richtung Süden ging es am Samstag, an dem zwar die Radfahrer der Region beim „Radltag“ am Grödner Joch „gut aufgehoben“ waren, an dem aber das Wetter es gar nicht gut mit den Ingolstädtern meinte. Darum musste auch eine Schleife ausgelassen werden, wofür aber bei weiteren spannenden Rallyegeschichten von Christian Geistdörfer die Regenpause überbrückt wurde. Die Teilnehmer wurden in die Geheimnisse des Aufschriebs eines Rallyebeifahrers eingeweiht und erfuhren, wie es dem Duo Röhrl/Geistdörfer gelungen ist, Wertungsprüfungen bei Nacht und dichtem Nebel geradezu blind zu fahren.

Mit offenen Augen genossen die Porschepiloten aber das Highlight der Tour, den Passo Manghen, der sich menschenleer und mit frisch sanierter Fahrbahn präsentierte. Schmale Fahrbahn, enge Kurven in schneller Folge und freie Fahrt erlaubten eine äußerst genussvolle Abschlussschleife und machten einigen aus der Gruppe Lust auf noch mehr. So wurde nach der Tour noch ausführlich gefachsimpelt und die Unterschiede zwischen Turbos und Saugern, die Glaubensfrage Heck- oder Mittelmotor oder die Vorzüge von Schalt- oder Automatikgetrieben diskutiert. Wer am Sonntag noch nicht genug hatte oder sein Frischluftbedürfnis noch befriedigen musste, wählte für die Rückfahrt nicht die schnelle Route über die Autobahn. So wurden noch einige Ingolstädter Porsche auf dem Weg nach Norden auf dem Falzarego, dem Stallersattel und schließlich am Sudelfeld gesehen.